Nun kommen wir zur Analyse meines Hauptgedichtes. Wie ihr bereits schon Bescheid wisst, habe ich mich für das erste Gedicht ,,Flüchtlinge'', geschrieben von Christel Ehritt, entschieden. Warum ich es gewählt habe, habe ich euch schon veranschaulicht aber weshalb ich schlussendlich beschlossen habe, dieses als Hauptgedicht zu nehmen, hat andere Gründe.
Da diese Gedicht in der Zeit der DDR verfasst und veröffentlicht wurde, habe ich mich besonders für den geschichtlichen Hintergrund dieses Gedichts interessiert. Zurzeit beschäftigen wir uns oft mit der aktuellen Flüchtlingssituation in Syrien und vergessen, dass dieses Thema ,,Flucht vor dem Vaterland'' schon viel früher aufgegriffen wurde. Somit möchte ich euch diese Flüchtlingssituation welche im Jahre 1949-1990 herrschte, näher bringen. Ich habe genau dieses Gedicht ausgewählt, da es einen spannenden Hintergrund hat, über den man viel erzählen kann und ihn gut mit dem Gedicht verbinden kann.
Das Geschriebene finde ich sehr aussergewöhnlich und kreativ vom Autor Christel Ehritt gestaltet. Als einen anderen Grund sehe ich auch, dass ich dieses Gedicht am besten verstanden habe, da die anderen wie zum Beispiel ,,Migration'' oder ,,Heimatlos'', ziemlich schwer zu interpretieren sind.
Flüchtlinge
Wir hatten nicht Heimweh
nach dem Haus ohne Dach,
nach dem Garten ohne Baum,
nach der Siedlung ohne Nachbarn.
Wir hatten Heimweh
nach Brot und Pellkartoffeln
nach Wasser ohne Typhus
und einen Himmel ohne Leuchtspur.
(Christel Ehritt, 1970)
Quelle: Arnold, Heinz Ludwig und Korte, Hermann (Hrsg.), Christel Ehritt, Lyrik der DDR, Frankfurt am Main 2009, S. 184.
________________________________________________________________________________
Analyse des Hauptgedichts
Leider habe ich zum Autor dieses Gedichts keine Informationen gefunden und werde daher mehr im geschichtlichen Bereich bleiben und mich dort vertiefen. Da dieses Gedicht wie schon gesagt in der Zeit der DDR verfasst wurde, werde ich hier vieles über das Leben der Menschen in dieser Zeit schrieben. In den Fokus werde ich natürlich den Grund der hohen Flüchtlingsrate nehmen.
Somit wünsche euch viel Spass beim Lesen und beim Dazulernen neuer spannender Dinge.
Damit erstmal aufgeklärt ist, wer die DDR überhaupt war:
40 Jahre lang existierte die Deutsche Demokratische Republik neben der Bundesrepublik Deutschland als zweiter deutscher Staat, getrennt durch bewachte Grenzen und Mauern. Die Verfassung verlangte, dass in der DDR alle Bürger gleichgestellt sind. Was soviel heisst, dass jeder nur gleichviel Wert ist und gleichviel Rechte hat. Der Staat übernahm Grossteile des Privateigentums und verstaatlichte die Wirtschaft. Das bedeutet, dass alle Betriebe und Fabriken aber auch Bauernhöfe, welche Profit daraus schlagen, nicht einem einzelnen, sondern der Gemeinschaft, dem Volk gehören. Es herrschte das Prinzip des Sozialismus. Der Sozialismus ist, falls ihr noch nicht bescheid wisst, eine Weltanschauung. Grundwerte des Sozialismus sind Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Dies SED (die einzig regierende Partei) kontrollierte alle Lebensbereiche der Menschen. Es langte von der Ausbildung der Kleinkinder über die Freizeitgestaltung bis hin zur Arbeitsplatz- und Wohnungszahl. Wer sich der Partei in den Weg stellte, wurde überwacht oder auch verfolgt. Das waren die ausschlagenden Punkte, warum viele geflüchtet sind.
Flucht aus der DDR vor dem Mauerbau (1949-1961):
Dreieinhalb Millionen Menschen flüchten im Jahre 1945 und 1961 aus der Sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR in die Bundesrepublik. Die Gründe, warum sie sich in die Flucht geschlagen haben, waren familiäre Gründe, weil Teile der Familie auf der Westseite gelebt haben. Ausserdem, weil ihnen der Grund und Boden entnommen wurde, weil sie als Christen benachteiligt oder gar verfolgt wurden, weil die Versorgung schlecht war und weil die politische Freiheit immer mehr und mehr verloren ging. Entscheidungen welche die einzige Partei SED traf, wie Rentenkürzungen, Preiserhöhungen für Lebensmittel und schliesslich die Erhöhung der Arbeitsnormen haben dem Volk nicht gefallen. Unter Arbeitsnorm wird verstanden, wie viel Arbeit in einem bestimmten Zeitraum zu leisten war. Am 17. Juni 1953 kam es dann zu einem Volksaufstand. Doch dieser Aufstand wird schnell mithilfe von den Sowjetischen Soldaten und deren Panzern gestoppt.
Nach dieser gescheiterten Demonstration und nach anderen Massnahmen als Strafe von der SED an das Volk, nimmt die Flüchtlingsbewegung drastisch zu. Bereits am 26. Mai 1952 legen militärische Einheiten an die Grenze zur Bundesrepublik mehrere Stacheldrähte an. Auch zahlreiche Strassen zwischen Ost und West werden gesperrt. Doch Trotz diesen erneuten Massnahmen läuft die Flucht über Ost- nach West-Berlin weiter.
Im Dezember 1957 verschärft die SED die Strafgesetze. Wenn man das Land verlassen hat, wurde man strafrechtlich verfolgt und mit einer Haftstrafe zu drei Jahren gefangen gehalten. Versuche oder auch nur Vorbereitungen wurden schon mit dem einsperren in ein Gefängnis bedroht.
Im Sommer 1961 nimmt der Flüchtlingsstrom über Berlin stark zu. Die Flüchtlingsmotive waren; Ablehnung der politischen Entwicklung der DDR und bessere Lebenschancen im Westen.
Quelle 1: Ziegler, Wiebke,
planet-wissen, http://www.planet-wissen.de/geschichte/ddr/das_leben_in_der_ddr/index.html, 25. 4. 2017, 18.35 Uhr.
Quelle 2: Chronik der Mauer,
http://www.chronik-der-mauer.de/180098/flucht-aus-der-ddr-vor-dem-mauerbau-1949-1961, 25. 4. 2017, 18.45 Uhr.
Inhaltsangabe und Stimmung des Gedicht
In diesem Gedicht geht es hauptsächlich darum, dass das lyrische Ich und seine Mitmenschen ihr Vaterland vermissen. Sie haben Heimweh. Heimweh wird in diesem Gedicht jedoch mit unglücklichen Erinnerungen in Verbindung gebracht. Die Menschen in der Zeit der DDR haben eine schlimme Zeit durchgemacht, welche nicht so schnell vergessen geht.
In der Ersten Strophe wird veranschaulicht, dass das lyrische Ich solche üppigen Dinge wie ein ,,Haus ohne Dach'' (Vers 2) oder ,,ein Garten ohne Baum'' (Vers 3) nicht einmal in der Lage war, zu besitzen. In der zweiten Strophe wird klar, was für ein miserables Leben einige Menschen geführt haben. Sie haben unter schlimmen Lebensverhältnissen leben müssen. Sie schätzen die Grundbedürfnisse des Menschen, was soviel bedeutet wie eine Mahlzeit oder sauberes Wasser. Dies kann man anhand dem Vers sechs ,,Heimweh nach Brot und Pellkartoffeln'' oder dem Vers sieben ,,Wasser ohne Typhus'' gut erkennen.
Grafische Darstellung
Das Gedicht von Christel Ehritt besteht aus zwei Strophen. Es ist ein unregelmässiges Reimschema vorhanden. Der erste und der fünfte Vers enden mit dem selben Wort.
Zur ersten Strophe:
Im ersten Vers können wir zuerst einen Trochäus, welcher kurz zu einem Anapäst wechselt und dann wieder als Trochäus weiterläuft, beobachten. Während dem zweiten Vers kann man einen zwei hebigen Anapäst erkennen. Schauen wir weiter auf den Vers drei bleibt der Anapäst erhalten, wird dann aber unterbrochen, was dann zu einem unregelmässigem Metrum auf Vers drei hinweist. Aus Vers vier kann man anfangs erneut einen Anapäst als Metrum bestimmen doch dann wird er unterbrochen, was dann wieder ein unregelmässiges Metrum aufweist. Die Kadenz ist hier abwechselnd.
Zur zweiten Strophe:
Während des fünften Verses herrscht ein Jambus welcher dann kurz beim sechsten Vers unterbrochen wird, aber dann wieder weitergeht. Wiederholt wird der drei hebige Jambus im Übergang vom sechsten zum siebten Vers unterbrochen, geht dann aber wieder mit einem drei hebigen Jambus weiter. Im achten Vers begegnet man einem kurzen Daktylus, welcher dann aber schnell von einem Trochäus übernommen wird. Es besteht eine weibliche Kadenz.
Die Kadenz über das ganze Gedicht betrachtet, wechselt von Vers zu Vers. Schlussendlich endet es auf einer weiblichen Kadenz.
Stilmittel
(Vers 2): ,,nach dem Haus ohne Dach'' (Metapher)
Das bedeutet, dass das lyrische Ich und seine Mitmenschen kein Heimweh nach einem Haus haben, welches kein Schutz bietet und welches vielleicht Aufgrund einer Zerstörung nicht mehr besteht.
(Vers 3): ,,nach dem Garten ohne Baum'' (Metapher)
Die Metapher will verdeutlichen, dass das lyrische Ich und seine Mitmenschen kein Heimweh wegen einem Garten haben, welcher vielleicht nicht mehr so schön ist wie zu Beginn. Oder dass sie kein Heimweh, nach einem kahlen Garten hatten.
(Vers 4): ,,nach der Siedlung ohne Nachbarn'' (Metapher)
Es wird veranschaulicht, dass das lyrische Ich und seine Mitmenschen nicht eine Siedlung vermissen, in der keine Nachbaren wohnen. Eine Siedlung mit Nachbarn, welche aufgezogen und geflüchtet sind.
(Vers 6): ,,nach Brot und Pellkartoffeln'' (Metapher)
Man wird darauf hingewiesen, dass das lyrische Ich und seine Mitmenschen Heimweh nach Brot und Kartoffeln hatten. Das lyrische Ich und seine Mitmenschen vermissen das Hungern in dieser Zeit. Was darauf hinweist, dass sie ein armes Leben hatten, da sie sich nicht mehr, als die einfachsten Dinge, leisten konnten.
(Vers 7): ,,nach Wasser ohne Typhus'' (Metapher)
Man interpretiert daraus, dass das lyrische Ich und seine Mitmenschen mit der Wasserkrankheit Typhus zu kämpfen hatten. Das weist wiederum darauf hin, dass sie Glück haben mussten, um reines Wasser bekommen zu können.
(Vers 8): ,,nach dem Himmel ohne Leuchtspur'' (Metapher)
Aus dieser Metapher kann man herauslesen, dass in der Heimat des lyrischen Ichs und seinen Mitmenschen viel geschossen wurde. Wenn die Menschen aus der DDR flüchten versuchten, haben sie die Soldaten der SED manchmal sogar getötet.
Wann und in welchem Umfeld ist das Gedicht entstanden
Wie schon dokumentiert ist das Gedicht ,,Flüchtlinge'' im Jahre 1970 entstanden. Wenn ich die Zeit mit dem geschichtlichen Geschehen in Verbindung bringe, hat in dieser Zeit die SED ein starkes Regime in der DDR geführt. Man wurde verfolgt oder auch ermordet, hatte man versucht, vor der eigenen ,,Bundesrepublik'' zu flüchten.
Besonderheiten
Anhand der Sprache merkt man, dass das Gedicht nicht besonders alt ist. Mit dem Versen ,,Brot und Pellkartoffeln'' (V. 6), ,,Wasser ohne Typhus'' (V. 7) und ,,Himmel ohne Leuchtspur'' (V. 8) wird veranschaulicht, dass das Gedicht in einer schwierigen Zeit, wie in einer Kriegszeit, verfasst wurde.
In wiefern passt das Gedicht zu meinem Thema?
Das Gedicht passt aus dem Grund so gut zu meinem Thema, weil es eine lange Zeitspanne einer Flüchtlingssituation zeigt. Anhand der zweiten Strophe erkennt man, wie sehr die Menschen in dieser Zeit gelitten haben und wie sie nur noch auf die Grundbedürfnisse angewiesen waren. Durch die Flucht waren sie zwar erlöst, schauten aber immer noch zurück auf ihre Heimat. Sie haben vieles, was ihnen wichtig war, zurücklassen müssen. Sie sind an diesem Ort aufgewachsen und haben dort vieles erlebt. Das sind Gründe , warum einem die Flucht vor dem eigenen Vaterland sicherlich schwer fällt.
Wodurch/Wie wird das Thema veranschaulicht
Das ganze Thema handelt um die Flucht vor dem Vaterland, wie der Titel schon verrät. Meine fünf Gedichte passen deshalb so gut dazu, weil sie alle eine Flüchtlingssituation gut hinüberbringen können. Durch diese Gedichte und den Poetry-Slam wird dem Leser oder der Leserin vermittelt, wie sich die Menschen fühlten und litten. Ich finde ebenfalls, dass alle Gedichte, die ich euch hier vorgestellt habe, zum nachdenken anregen.
Während dem Bearbeiten habe ich mir gedacht; Was wäre, wenn ich in dieser Zeit geboren wäre? Wie würde ich damit umgehen? Ich wollte dieses Thema auch deshalb bearbeiten, damit ich den Menschen zeigen kann, wie schön es wir eigentlich haben. Wir sollten unser Leben in vollen Zügen geniessen.